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Stallduft und grüne Eier

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Am Samstag, den 26.05.2012 konnten wir, die Betreuer Elfriede Ishak, Bene Grodotzki und Marion Frey, mit den aus München und Umgebung kommenden Kindern die Reise auf die KIDSFARM antreten. Nach einer Rast bei den „Bayern-Kamelen“, einer Farm mit Lamas, Eseln und Kamelen, mit denen man geführte Wanderungen unternehmen kann, war es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel. Da sich zum ersten Mal mehr Jungen als Mädchen angemeldet hatten, bezogen die Jungs die große Schlafhütte und die Mädels bekamen die Zimmer im Haus. Die meisten der 16 Teilnehmer waren „Tierschutzferien-Kenner“.

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Am Sonntag trafen die letzten Kinder ein und wir konnten zusammen mit Eva Winter, der Pächterin, die „Tierdienste“ für die Woche einteilen. Da gibt es viel zu tun: morgens die Hühner nebst drei flauschigen kleinen Küken, die Enten und den Puter aus dem Stall lassen, nicht ohne vorher zu füttern, zu tränken und die gelegten Eier, die weiß, braun, grün, bläulich und teils sogar rosafarben waren, einzusammeln. Die beiden Schweine, eine Mischung aus Haus- und Hängebauchschwein, sehr zutraulich und immer empfänglich für ausgiebiges Kraulen, mit Futter und Wasser versorgen und den Stall ausmisten. Die Kaninchenausläufe umsetzen, damit immer frisches Gras da ist, Klee und Kräuter sammeln und füttern und auch hier wieder schmusen, streicheln, auf den Arm nehmen und die Tiere hautnah erfahren. Etwas anspruchsvoller war der „Ziegen- und Schafdienst“. Hier zeigte am ersten Morgen Eva den Kindern wie die Milchziegen zu melken sind: zuerst anbinden, dann das Euter sauber machen und los geht’s.

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Anfangs etwas zögerlich, aber mit der Zeit und der nötigen Übung klappte das dann wunderbar und es gab jeden Morgen frische, noch warme Milch zu unserem Frühstück, von der alle Kinder begeistert waren. Außerdem wurden die Schafe und Ziegen mit einem Weidezaun alle zwei Tage umgesetzt, um als Rasenmäher zu agieren. Der Offenstall für die drei Pferde musste ausgemistet und gefüttert werden. Danach ging es an den Pflegeplatz und es wurde gestriegelt, gekämmt und die Hufe wurden ausgekratzt. Die restlichen Pferde und Ponys waren auf den Weiden verteilt.

Sie wurden, ebenso der Esel Toni, versorgt und gepflegt. Vor oder nach dem täglich leckeren, vegetarischen Mittagessen ging es dann in die Reithalle zum Tierschutzunterricht.

Die von Elfriede Ishak vorbereiteten Unterrichtseinheiten zu den Themen Hund, Heimtiere, Wildtiere und Nutztierhaltung wurden interessiert und konzentriert verfolgt und jede Menge Fragen wurden gestellt.  Danach forderte Bene die Kinder mit sportlichen und spielerischen Aktivitäten und es war schön zu sehen wie sich dadurch das Gemeinschafts- und Gruppengefühl entwickelte und stärkte. Die Abende verbrachten wir, wenn wieder alle Tiere versorgt waren, im Tipi mit Lagerfeuer, Stockbrot backen, Lieder zu Benes Gitarrenbegleitung singen und dem beliebten Werwolfspiel.

Auf nach Görbengut – zwischen Lamas und Pferden

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Einer unserer Ausflüge führte uns auf das im idyllischen, oberen Inntal gelegen Görbengut in Österreich. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und Frau Allmayer stellte uns ihre wunderschönen, intelligenten Lamas vor. Wir lernten auf diese sehr scheuen aber auch ausgesprochen neugierigen Tiere zuzugehen, ihnen ein Halfter umzulegen und sie zu streicheln. Es wurde auch erklärt woher die Tiere stammen, welche Haltung artgerecht ist, wie sie sich in einer Herde verhalten und dass sie keineswegs spucken. Das ist eine Drohgebärde unter den Artgenossen und wird höchst selten beim Menschen angewendet.

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Am Donnerstag war es dann soweit – der heiß ersehnte „Pferdetag“. Heute durften die Kinder nicht nur putzen und striegeln, sondern mit mir in der Reithalle die Bodenarbeit mit Pferden kennen lernen und auf dem Reitplatz an der Longe erste Reiterfahrungen sammeln. Für die Bodenarbeit gab es zuerst einige Trockenübungen und Erklärungen bezüglich der Körpersprache der Pferde und die nötige Körperhaltung des Menschen, um mit den doch sehr großen Tieren zu Recht zu kommen. Schnell merkten die Kinder wie einfach es sein kann mit einem älteren Reitpferd, das schon viel Erfahrung hat, umzugehen und wie schwierig es dagegen bei zweijährigen Jungpferden ist, die den größten Teil ihres Lebens bisher auf der Koppel verbracht haben. Aber alle Kinder haben diese Herausforderung mit großem Einsatz angenommen und die Freude war groß, wenn dann die Übungen auch geklappt haben. Nach fünf Stunden konzentrierter Arbeit mit den Pferden, die gewechselt wurden, hatten alle Kinder das gute Gefühl „Ich kann mit einem Pferd mit seiner Körpersprache umgehen!“.

Am letzten Tag gab es wieder unsere Tierschutzrallye, bei der die Kinder das Gelernte und Erfahrene dieser Woche in Gruppen und mit ein bisschen Wet tkampfcha rakter wiedergeben konnten. Wie jedes Jahr vertrieb uns der Regen in geschützte Bereiche. Am Samstag gegen Mittag hieß es dann Abschied nehmen von den Tieren, den Menschen und der KIDSFARM und wir freuen uns auf das kommende Jahr. Vielleicht sehen wir uns dann wieder.


Ein Bericht von Marion Frey, Jugendarbeit im Bodenseegebiet
(mensch & tier 3/2012)