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"Käfigeier sind out" bei den jungen Tierschützern

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurswoche der Pfingstferien waren begeistert von den vielen Tieren der „Kidsfarm“. Es gab Nachwuchs bei den Hühnern. Die kleinen Flauschbälle lösten den Kuschelfaktor zehn bei den Kindern aus. Keine Angst, nur einmal konnten wir die Legehenne überzeugen, uns ihre Küken zu überlassen (allerdings mit etwas nachhaltiger Unterstützung der Hofpächterin Eva Winter). Denn so eine Glucke hat es gar nicht gerne, wenn man ihren Sprösslingen zu nahe kommt. Um so schöner war zu beobachten, wie in den Pferdeboxen zusammen nach Futter gescharrt und gepickt wurde. Unterricht für angehende erwachsene Hühner.

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Auf der Kidsfarm leben viele Tiere zusammen und dort verändern sich manchmal bestimmte Regeln, denn gleich mehrere Legehennen kümmern sich um den ganzen Nachwuchs. Die Kuh „Karla“ fühlt sich bei den Pferden wohl und kann ebenso für Spaziergänge gesattelt werden und Wasserflaschen etc. tragen. Als Kalb wurde sie vor dem sicheren Tod gerettet und lebt seitdem mit ihnen zusammen. Doch bald wird Karla selbst Nachwuchs bekommen und wir hoffen, dass sie ihre Mutterrolle gut erfüllt. Im nächsten Jahr werden wir es erfahren.

Auch die zwei Katzenwelpen erfreuten unsere jungen Tierfreunde. Täglich wurden sie – wie auch alle anderen Tiere auf dem Hof – von ihnen versorgt. Bei den Meerschweinchen stand auch Nachwuchs an, das Hinterteil war schon verdächtig breit geworden. Leider war die Mama in spe aus dem Freigehege durch den Zaun entwischt und der Bauch inzwischen so groß, dass sie nicht mehr zurück konnte. Sie wollte aber unbedingt hinein – wahrscheinlich, weil sie für die Geburt in eine Höhle wollte. Wir fingen also mit ein paar Tricks die künftige Mama ein und richteten ihr einen extra Käfig im Freigehege her. Frisches Stroh, ein Schlafhaus sowie Futter und Wasser wurden bereitgestellt. Keine halbe Stunde später hörten wir es fiepen. Vier gesunde hübsche Meeris krabbelten schon herum. Es war für alle interessant, wie groß sie waren.

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Auf der Kidsfarm wird es nie langweilig. Weidezäune setzen, ein Tor reparieren oder den Offenstall der Pferde misten, täglich die Pferdeboxen und den Hühnerstall säubern, die Eier einsammeln, die Hunde füttern und abends Gassi gehen, die Pferde putzen und hundert andere Tätigkeiten fallen an. Neu in diesem Jahr war die große Reithalle, die wir als Seminarraum für unsere Tierschutzthemen umfunktionierten. Diesmal waren die heimischen Wildtiere ein Hauptthema und eben die Hühner in der Intensivhaltung. Vorbereitend für den Ausflug zu den Seepointer Bio hühnern gab es Aufklärungsgespräche sowie Filmmaterial.

Vor Ort konnten sich alle überzeugen, wie eine Freilandhaltung aussieht, wie die Sortier- und Stempelanlage funktioniert, welches Futter angebaut wird und wie der ökologische Kreislauf auf dem Feld abläuft. Beim direkten Vergleich der Legehennenhaltung im Käfig bzw. Kleinvoliere zur artgerechten Freilandhaltung gab es keine Diskussion, für alle stand fest „Käfigeier sind out“. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Erkenntnisse, die auf den aktion tier-Tierschutzferien gewonnen werden, in die Familien, in den Freundeskreis und in den Schulen verbreitet werden. Und das ist genau unser Ansatz, um künftig mitfühlende Menschen, was die Belange der Tiere angeht, zu formen. Wir säen Samenkörner, die das Bewusstsein für die Natur entwickeln. Und sie lernen, dass die Natur ohne den Menschen, wir aber nicht ohne die Natur leben können! Deshalb ist es wichtig zu lernen, sorgsamer mit ihr umzugehen.

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Verständlichen Umgang mit dem Pferd konnten wir durch Frau Doris Schrader, die einen Nachmittag über „Natural Horsemanship“ aktiv referierte, erfahren. Mit vier Pferden wurde geübt, das Verhältnis Mensch/Pferd ohne Peitsche oder Sporen in Einklang zu bringen. Mit Begeisterung waren alle bei der Sache, sogar Kinder, die eigentlich Angst vor Pferden hatten.

In gleicher Weise erfuhren die Teilnehmer auch auf der „Dogfarm“, wie Hunde zu verstehen sind und wie sich der Mensch verhalten soll. Die Grundbefehle wurden geübt und auf dem Trainingsplatz konnte jeder mit einem Hund üben. Nach den ersten sportlichen Runden ließen sich Streicheleinheiten nicht vermeiden, was für alle Beteiligten sehr schön war. Zur praktischen Verwendung wurden Leckerlibeutel gebastelt. Innerhalb einer Woche ereignen sich unzählige schöne und bleibende Momente für die Kursteilnehmer, davon zu berichten, würde den Rahmen sprengen. Also, ihr jungen Tierfreunde, seid selber dabei!

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Das Wildtierthema vertieften wir nach der Woche an einem Feiertag bei einem Ausflug in den Wildpark Poing. Wer Zeit hatte, war dabei und beim informativen Rundgang beobachteten wir Nutrias, Wisente, Füchse, Wildschweine, Bären an ihrem Badeteich, allerhand Geflügel und natürlich das Damwild, das nicht scheu war. Ein großer Rothirsch ließ sich von den Kindern kraulen, sie konnten den Bast auf dem Geweih fühlen und stellten fest, dass er sich weich und ganz warm anfühlte. Die Wölfe und Waschbären faszinierten und der Höhepunkt war die Vorführung der Greifvogel-Flugkünste. An diesem Tag herrschte ordentlich starker Wind und es war für die Vögel nicht einfach, ihre Bahn zu halten. Der Rotmilan ist auch tatsächlich abgedriftet.

Wir hatten nur bei den Eseln etwas zu bemängeln. Bei einem Tier waren die Hufe zu lange nicht gerichtet worden. Die Parkleitung haben wir natürlich informiert, dies zu beheben. Die Augen offen halten, das lernen unsere Tierfreunde auch und was man dann zu tun hat. Für uns ist es eine Freude und auch Ansporn, wenn junge Menschen sich noch für die Natur einsetzen möchten und gerne wieder kommen. In diesem Sinne – denkt an die Tiere!

Ein Bericht von Elfriede Ishak, aktion tier-Geschäftsstelle München