Kontakt

Kein Platz an der Sonne auf der KIDSFARM

undefined

Da Pfingsten dieses Jahr bereits Mitte Juni war, hofften wir bei der Tierschutzferienwoche auf Sommerwetter. Leider hat uns niemand erhört und die Teilnehmer mussten sich auf Aprilwetter einstellen. Das hieß ständig „rein in die Klamotten“ und „raus aus den Klamotten“ – denn innerhalb weniger Stunden wechselte der Himmel sein Aussehen und die Temperaturen gingen rauf und runter.

Doch echte Tierfreunde lassen sich durch kein Wetter abhalten, für ihre angetrauten Schützlinge zu arbeiten. In Gruppen eingeteilt wurden täglich die Hühner und Enten, Kaninchen und Meerschweinchen, Katzen, Hunde, Ziegen und Schafe, Schweine und Puten, Ponys, Pferde, der Esel und die Rinder versorgt, Näpfe gesäubert und gefüllt, Boxen gemistet und Weidezäune umgesteckt.

undefined Beim Stall ausmisten

Es wurden Gras und Kräuter gesucht und gezupft, Heu zu den Offenställen gebracht und die Schweinesuhle mit Wasser gefüllt. Der Küchendienst betreute noch täglich die Gemüsegärten, denn gefräßige Kartoffelkäfer und Nacktschnecken machten sich über die Pflanzen her. Kein Kind macht das gerne, doch mit einem angekündigten Schneckenrennen hatte die Schneckensammlung eine andere Dynamik bekommen. Spielregeln wurden festgelegt und die Teilnehmer mussten einen Rennnamen sowie ein Transportbehältnis vorweisen, ferner waren die Merkmale und Eigenschaften des Starttieres wichtig. Die Spielfelder waren Pflastersteine, in der bemalten runden Mitte befand sich das Startfeld. Wer als Schnellste den Stein verließ – egal in welcher Richtung – wurde Sieger. Es gab vier Startfelder und jeweils kämpften die Sieger und die Verlierer der ersten Runde noch mal gegeneinander. Die Begeisterung war groß, es wurde mit Blättern oder Beeren gelockt, die Anfeuerungsrufe schallen immer noch in meinem Ohr – kurzum – Schnecken hatten plötzlich eine andere Bedeutung bekommen. Sie waren nicht mehr „iiiiiihhhh“ und man konnte ihnen sogar etwas Hübsches abgewinnen.

undefined Putenküken bei Hühneramme

Die Hühner auf der KIDSFARM sind total mütterlich, denn sie ziehen nicht nur ihre eigenen Küken gemeinsam auf, sondern auch die der Puten. Das Verhalten der Tiere zu beobachten macht richtig Spaß. Die Küken rufen ganz anders als ihre Pflegemütter, trotzdem funktioniert die Verständigung. Die Eier aus den Legenestern sind mit Datum gekennzeichnet, damit keine gefundenen „wild gelegten“ Eier in die Küche kommen. Verwendung finden sie zum Beispiel für die leckeren „armen Ritter“, die uns die Köchin Kathi zubereitete. Die vegetarische Küche schmeckte allen sehr gut. Nur Ringelblume & Co. im Salat waren so Manchem fremd.

Besuch im Biolandbetrieb

Hühner in großer Anzahl konnten wir bei den „Seepointern“ kennen lernen. Ein Biolandbetrieb mit 4.500 Tieren. Das Stallgebäude mit Volieren, Bodenscharrbereich, Wintergarten und Auslauf mit reichlich sandigem Boden zum Staub baden und Wiese, worauf Sträucher als Schatten- und Schutzplätze dienen, haben die Tiere zur Verfügung. Da wir vormittags einen Besuch machten, konnten wir erleben, wie die Legenester besucht wurden. Nach dem Eier legen teilten die Tiere lautstark jedem mit, was sie vollbracht hatten. Einige Kinder trauten sich ein Huhn auf dem Arm zu nehmen und stellten fest, dass sie sehr flauschig sind. Die frisch gelegten Eier rollten über ein Band aus dem Stall und zur Stempel- und Sortiermaschine, dort wurden sie mit dem individuellen Eiercode 0–DE–XXXXXXX gestempelt und nach Gewicht sortiert. Selbstverständlich berichtete Herr Josef Bauer über den Ablauf seiner Arbeit und den Futterbedarf der Hühner. Auf einem seiner Äcker wuchsen Ackerbohnen, im nächsten Jahr wird darauf wieder ein anderes Futtermittel angepflanzt und diesen Wechsel der Feldfrüchte nennt man Fruchtfolge. Er erklärte die einzelnen Futterbestandteile des Hühnerfutters (Tritikale, Dinkel, Ackerbohnen, Weizen, Roggen, Erbsen) – es roch richtig lecker. Natürlich durften wir uns nach der Hofbesichtigung die frisch gekochten Seepointer- Eier schmecken lassen. Auch dieses Jahr führte uns Frau Doris Schrader wieder die Pferdesprache vor – bei ihr sieht das alles sehr einfach aus. Doch die Kinder müssen erst lernen, das Pferd mit ihren Gedanken und der Körperhaltung zu lenken. Schritt für Schritt haben sie dabei Erfolg und es ist jedes Mal ergreifend, wenn den Kindern die Führung gelingt. Dann kann man Augen funkeln sehen.

Ausflug zum Biobauern

Kinder lernen den Umgang mit fremden Hunden

undefined Besuch auf der Dogfarm: Hundesprache verstehen lernen

Auf der DOGFARM führte mit viel körperlichem Einsatz Frau Elke von Grafenstein den Kindern die Hundesprache vor. Der Hund wird viel zu oft falsch behandelt und deshalb ist das Lernen ihres Verhaltens sehr wichtig, um mit ihnen richtig umzugehen. Wenn man ihre Sprache deuten kann, kann man Gefahrensituationen schneller erkennen und Angriffe vermeiden oder im positiven Sinne wissen; wie gehe ich auf einen fremden Hund zu, was muss ich tun, um eine Vertrauenssituation zu schaffen. Fast alle Kinder haben den Wunsch, mit einem Hund zu leben. Leider ist das aufgrund der Arbeit oder Wohnsituation der Familie oft nicht möglich. Zum Glück können Jugendliche fremde Hunde Gassi führen oder als Urlaubs-Sitter tätig werden und so auch mit Vierbeinern zusammen sein – wenigstens zeitweise. Das tierische Miteinander fordert Kinder, sie müssen Geduld, Konsequenz und Verantwortung üben und lernen. Dies hilft ihnen auch in der Schule und später im Berufsleben.

undefined Hofchefin Eva Winter: Einweisung zum Pferdedienst

Die Tierschutzthemen wurden durch Powerpoint-Präsentationen dargestellt und erklärt. Die Belange der Tiere in tierunwürdigen Haltungen – sei es privat oder aus wirtschaftlichen Gründen – muss bei Kindern bekannt gemacht werden, um für die Zukunft eine Veränderung zu erreichen. Sie sollen verinnerlichen, dass Tiere keine „WARE“ sind und auch nicht so behandelt werden sollten.

Neben der ganzen Arbeit und dem Ernst der Tierschutzproblematiken vergessen wir aber nicht, dass schließlich Ferien sind und haben z. B. abends am Lagerfeuer unseren Spaß im Tipi, wir gehen Schwimmen oder betätigen uns sportlich. Für aktion tier ist es wichtig, dass die Kinder ihr Erlerntes in den Familien- und Freundeskreis tragen, dass sie Referate in der Schule machen und durch Aufklärung somit den Tierschutz weitergeben.


Ein Bericht von Elfriede Ishak, aktion tier-Geschäftsstelle München
(mensch & tier 3/2011)